OpenClaw ueberquert den Atlantik
Als das OpenClaw-Core-Team waehrend der Abschluss-Keynote in San Francisco die ClawCon Wien ankuendigte, reagierte die europaeische Entwickler-Community mit sofortiger Begeisterung. Innerhalb von 48 Stunden waren die Early-Bird-Tickets ausverkauft. Innerhalb einer Woche ueberstieg die Warteliste die Venuekapazitaet. Als am 30. Januar 2026 die Tueren des Messe Wien Exhibition & Congress Center oeffneten, hatten sich ueber 800 Entwickler, Forscher und Technologiefuehrer aus ganz Europa, dem Nahen Osten und Afrika fuer zwei Tage voller Vortraege, Workshops und Community-Building versammelt.
Die ClawCon Wien war bewusst keine europaeische Wiederholung der San-Francisco-Veranstaltung. Sie wurde gezielt so gestaltet, dass sie den einzigartigen Charakter der internationalen OpenClaw-Community widerspiegelt – mit starkem Fokus auf Lokalisierung, regulatorische Aspekte und die vielfaeltigen Wege, auf denen Entwickler ausserhalb des Silicon Valley agentische KI einsetzen.
Die europaeische Perspektive auf agentische KI
Die Eroeffnungs-Keynote, gemeinsam gehalten von Core-Maintainern und Mitgliedern der neu gegruendeten OpenClaw Foundation, setzte sofort den Ton. Statt mit technischen Benchmarks zu fuehren, stand Verantwortung im Mittelpunkt. Europas regulatorische Landschaft, gepraegt durch den EU AI Act und die DSGVO, hat ein Entwicklungsumfeld geschaffen, in dem Fragen der Transparenz, Rechenschaftspflicht und Nutzereinwilligung keine Nachgedanken sind, sondern erstrangige Designvorgaben. Die Keynote argumentierte, dass dies tatsaechlich eine Staerke ist: Agenten, die von Anfang an mit diesen Prinzipien gebaut werden, sind tendenziell robuster, vertrauenswuerdiger und letztlich nuetzlicher.
Dieses Thema zog sich durch die gesamte Konferenz. Eine gut besuchte Session zu "Konforme Agenten: Entwicklung fuer den EU AI Act" fuehrte Entwickler durch die praktischen Schritte der Klassifizierung ihrer Agenten nach den Risikostufen des Gesetzes, die Implementierung der erforderlichen Transparenzoffenlegungen und die Fuehrung der Audit-Logs, die Regulierungsbehoerden anfordern koennen. Die Referentin, eine Berliner KI-Governance-Beraterin, betonte, dass OpenClaws Architektur besonders gut fuer Compliance geeignet ist, da das modulare Design es einfach macht, Logging, Filterung und Human-in-the-Loop-Checkpoints an jeder Stelle eines Agenten-Workflows einzufuegen.
Lokalisierung und mehrsprachige Agenten
Einer der gefeiertsten Tracks der ClawCon Wien widmete sich der Lokalisierung. OpenClaws internationale Nutzerbasis umfasst Dutzende von Sprachen, und Agenten zu bauen, die fliessend ueber sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg operieren koennen, ist eine erhebliche technische Herausforderung. Ein Workshop mit dem Titel "Polyglot Claws" demonstrierte Techniken zum Bau von Agenten, die dynamisch die Sprache mitten im Gespraech wechseln, kulturelle Normen bezueglich Foermlichkeit und Direktheit respektieren und die subtilen Unterschiede in der Formatierung von Daten, Waehrungen und Adressen ueber Regionen hinweg beherrschen koennen.
Die Lokalisierungsarbeit erstreckt sich ueber die Agenten selbst hinaus auf die OpenClaw-Plattform und Dokumentation. Eine community-gefuehrte Initiative, die auf der Konferenz angekuendigt wurde, hat die Kerndokumentation bereits ins Deutsche, Franzoesische, Spanische, Portugiesische, Japanische und Mandarin uebersetzt, wobei arabische, Hindi- und tuerkische Uebersetzungen in Arbeit sind.
Ein besonders bewegender Lightning Talk kam von einem Entwickler aus Kiew, der beschrieb, wie er einen OpenClaw-basierten Agenten gebaut hat, der ukrainischen Fluechtlingen hilft, buerokratische Prozesse in ihren Gastlaendern zu navigieren. Der Agent spricht Ukrainisch, Polnisch, Deutsch und Englisch und wurde von ueber 3.000 Familien genutzt, um ihre Rechte zu verstehen, Formulare auszufuellen und lokale Hilfsangebote zu finden. Der Vortrag erhielt stehende Ovationen.
Das europaeische Entwickler-Oekosystem
Die ClawCon Wien diente auch als Schaufenster fuer das lebendige europaeische OpenClaw-Oekosystem. Eine Startup-Expo praesentierte 25 Unternehmen, die auf OpenClaw aufbauen – von einem Stockholmer Fintech, das Agenten-Schwaerme fuer Echtzeit-Betrugserkennung einsetzt, bis zu einem Lissaboner Studio, das KI-gesteuerte interaktive Fiktion erstellt. Die Vielfalt der Anwendungen war beeindruckend und unterstrich einen Punkt, den mehrere Redner waehrend der Konferenz machten: OpenClaw ist kein Nischenwerkzeug fuer KI-Forscher. Es ist eine Allzweckplattform, die Entwickler aus jeder Domaene nutzen koennen, um intelligente, autonome Systeme zu bauen.
Die europaeische Contributor-Community ist im vergangenen Jahr rasant gewachsen. Eine "State of the Community"-Praesentation zeigte, dass europaeische Entwickler mittlerweile 38 % aller OpenClaw-Pull-Requests ausmachen – gegenueber nur 12 % vor einem Jahr. Deutschland, Frankreich und die Niederlande sind die drei fuehrenden Beitragslaender in Europa, aber bedeutende Beitraege kommen vom gesamten Kontinent, einschliesslich wachsender Communities in Polen, Rumaenien und Griechenland.
Workshops und praktisches Lernen
Das Workshop-Programm der ClawCon Wien war auf die Interessen und Beduerfnisse des europaeischen Publikums zugeschnitten. Ein ganztaegiger Workshop zu "Privacy-First Agent Design" lehrte die Teilnehmer, wie man Agenten baut, die Datenerhebung minimieren, sensible Informationen lokal verarbeiten statt sie an Cloud-APIs zu senden, und die Loeschungsanforderungen der DSGVO umsetzen. Ein weiterer Workshop konzentrierte sich auf das Deployment von OpenClaw-Agenten auf europaeischer Cloud-Infrastruktur und behandelte Anbieter wie Hetzner, OVHcloud und Scaleway als Alternativen zu den US-Hyperscalern.
Fuer Forschungsinteressierte bot ein akademischer Track Praesentationen von Universitaeten aus ganz Europa. Highlights waren ein Paper der ETH Zuerich zur formalen Verifikation von Agentenverhalten, eine Demonstration des INRIA zu Agenten, die ihr Reasoning in natuerlicher Sprache erklaeren koennen, und ein provokanter Vortrag der Universitaet Wien selbst ueber die philosophischen Implikationen autonomer KI-Agenten in demokratischen Gesellschaften.
Community-Verbindungen
Das Rahmenprogramm der ClawCon Wien war darauf ausgelegt, die Art von grenzueberschreitenden Verbindungen zu foerdern, die Open-Source-Communities zum Bluehen bringen. Ein Konferenzdinner in einem traditionellen Wiener Heurigen brachte Entwickler aus ueber 40 Laendern fuer einen Abend mit lokalem Wein, oesterreichischer Kueche und angeregten Gespraechen zusammen. Eine gefuehrte Stadttour durch Wiens historisches Zentrum gab den Teilnehmern die Gelegenheit, die Stadt zu erkunden und gleichzeitig die Diskussionen aus den Vortragssaelen fortzusetzen.
Die Konferenz war auch Gastgeber der ersten Sitzung des OpenClaw European Regional Council, eines neuen Governance-Gremiums, das europaeische Community-Interessen in den Entscheidungsprozessen des Projekts vertreten wird.
Was als Naechstes kommt
Die ClawCon Wien hat eindeutig gezeigt, dass OpenClaw ein globales Projekt mit einer globalen Community ist. Die Energie, Kreativitaet und das Engagement in Wien entsprachen dem, was wir in San Francisco gesehen hatten – und uebertrafen es in mancher Hinsicht. Das OpenClaws.io-Team kam mit der Ueberzeugung zurueck, dass die internationale Expansion des Projekts nicht nur ein nettes Extra ist, sondern ein fundamentaler Treiber seiner Innovation und Resilienz.
Das Core-Team kuendigte an, dass weitere ClawCon-Events fuer Asien und Lateinamerika spaeter im Jahr 2026 geplant sind. Fuer die europaeische Community werden regionale Meetups und Hackathons die Dynamik zwischen den grossen Konferenzen aufrechterhalten. Die Botschaft aus Wien war klar: OpenClaw gehoert der Welt, und die Welt ist bereit, damit zu bauen.